Biotopverbund-Management NaturVerbunden Südweststeiermark

Wir stellen hohe Ansprüche an heutige Kulturlandschaft und nutzen sie intensiv. Doch nicht nur der Mensch benötigt diese Lebensumwelt, sondern auch alle anderen Lebewesen – egal ob Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere oder Pilze. Die starke menschliche Nutzung der Kulturlandschaft führte dazu, dass Lebensräume verschlechtert, zerstört oder voneinander abgeschnitten wurden. Dadurch geraten die dort lebenden Arten unter großen Druck und können aussterben.
Jede Art bringt einen Mehrwert im Gesamtökosystem und stabilisiert es dadurch (=Ökosystemleistung). Stirbt die Art aus, wird das Gesamtökosystem instabiler und alle Lebewesen verlieren ihre Lebensgrundlage – auch der Mensch.

Um das zu verhindern, will das Biotopverbund-Management ein großräumiges Netzwerk aus hochwertigen Lebensräumen (=Biotopverbund) für die heimische Flora und Fauna zusammen mit lokalen Nutzer*innen herstellen.

Pflege und Vernetzung von Lebensräumen ist wichtig!

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DER STEIRISCHEN TIERARTEN GEFÄHRDET
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DER STEIRISCHEN PFLANZENARTEN GEFÄHRDET
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DES GLOBALEN BIP ABHÄNGIG VON BIODIVERSITÄT

Von Bienchen und Blümchen

Lebewesen der gleichen Art haben dieselben Ansprüche an ihre Lebensumwelt, um all ihre Bedürfnisse befriedigen zu können und so zu überleben. Verschiedene Arten hingegen unterscheiden sich auch in ihren Bedürfnissen. So benötigt eine Hundsrose eine andere Lebensraumausstattung als ein Löwenzahn, um das eigene Überleben zu sichern.

Es ist jedoch nicht nur das individuelle Überleben einzelner Lebewesen wichtig. Es wird in mehreren Ebenen unterschieden: das Individuum, die Population und die Art. Eine Population wird aus allen Individuen einer Art in einem mehr oder weniger zusammenhängenden Lebensraum gebildet.

Individuen können sich nur dann erfolgreich fortpflanzen und starke, gesunde Populationen aufbauen (und damit den Fortbestand der Art sichern), wenn

  1. die Population groß genug ist, um auch Fortpflanzungspartner*innen zu finden und
  2. benachbarte Populationen erreichbar sind, um sich auszutauschen und so Inzucht-Effekte zu vermeiden.

Andernfalls kommen keine jungen Individuen nach und es treten durch die verminderte genetische Vielfalt unter ihnen gesundheitliche Probleme oder eine reduzierte Anpassungsfähigkeit auf. Die lokale Population wird dadurch geschwächt, sodass diese nach und nach schrumpft oder anfällig für zufällige Auslöschung wird. Dadurch ist dann die gesamte Art in Gefahr.

Katharina Scheibenhoffer, BSc MSc

Regionalmanagerin
T: +43 676 7690180
k.scheibenhoffer@rmsw.at

Natur und Nutzung im Widerspruch?

Der Austausch zwischen Populationen und die Fortbewegung von Individuen ist also eine Voraussetzung für den Fortbestand unserer heimischen Arten. Die Vielfalt der Arten, der Lebensräume und die genetische Vielfalt wird zusammenfassend als Biodiversität bezeichnet.

Ökosysteme mit einer hohen Biodiversität sind widerstandsfähig und in der Lage, wichtige Lebensgrundlagen (sogenannte Ökosystemleistungen) allen am Ökosystem beteiligten Lebewesen (also auch dem Menschen) langfristig bereitzustellen. So zum Beispiel Frischluft, Trinkwasser, Medikamentenbausteine oder Klimawandelanpassungen.

Auf Individuen von wildlebenden Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen etc. zu achten, Populationen zu stärken, Arten zu schützen und die Biodiversität zu erhalten, ist also schlussendlich auf für den Menschen von großer Bedeutung.

Der Schlüssel zu einem gesunden Pflanzen- und Tierreich liegt im Schutz der Vielfalt.

Rachel Carson, 1962 in ihrem Buch „Silent Spring“
In einer stark genutzten Kulturlandschaft sind Lebewesen oft voneinander abgeschnitten, weil ihre Kernbiotope weit voneinander entfernt sind oder sich Barrieren dazwischen befinden. © KS RMSW

Die Kulturlandschaft der Südweststeiermark wurde in ihrer heutigen Form maßgeblich durch den menschlichen Einfluss geprägt. Dadurch ist die charakteristische, kleinstrukturierte Kulturlandschaft entstanden, die eine hohe Biodiversität ermöglicht. Anhaltende, starke Veränderungen und Intensivierung der Nutzung sorgen jedoch dafür, dass die landschaftliche Identität verloren geht und Lebensräume verschlechtert, voneinander abgeschnitten oder zerstört werden.

Die Bedürfnisse zum Überleben der Individuen können dann nicht mehr erfüllt werden, die Fortbewegung wird massiv eingeschränkt und sie finden keinen Lebensraum. Als Folge werden die Populationen geschwächt und Arten können aussterben. Mit ihnen gehen die von ihnen bereitgestellten Ökosystemleistungen und damit auch die menschliche Lebensgrundlage verloren.

Durch die Wiederherstellung und Pflege von Kernbiotopen, Trittsteinbiotopen und Korridorbiotopen entsteht ein Biotopverbund. © KS RMSW

Der Biotopverbund verbindet Natur mit Nutzung

Um dies langfristig zu verhindern, ist es wichtig, Lebensräume für wildlebende Pflanzen und Tiere zu pflegen und die Fortbewegung zwischen Lebensräumen sicher zu stellen. Es muss also ein überregionales Netz aus Lebensräumen und Lebensraum-Verbindungen hergestellt werden – ein sogenannter Biotopverbund. Auf diese Weise kann ein natürlicher und für die heimischen Arten überlebenswichtiger Austausch stattfinden.

Mit einem funktionalen Biotopverbund können also Arten geschützt, die Biodiversität erhalten und Ökosystemleistungen bewahrt werden. Viele unserer Lebensbereiche profitieren so von einem intakten Biotopverbund. Die Überschneidungen müssen erkannt und als Synergien gemeinsam genutzt werden. Hier zwei Beispiele:

  • Gemeinden profitieren von naturnahen Grünflächen durch Hitzereduktion, vermindertem Pflegeaufwand oder gesteigertem Wohlbefinden der Bevölkerung. Gleichzeitig sind naturnahe Grünflächen wichtige Trittsteine bei der Fortbewegung von Vögeln, Insekten oder heimischen Wildkräutern.
  • In der Landwirtschaft können durch lineare Strukturen wie Hecken Bodenerosion oder Winddrift verhindert werden, der Wasserhaushalt und die Humusbildung unterstützt werden. Gleichzeitig werden Korridore für Flora und Fauna geschaffen.

Biotopverbund-Management als Auftrag

Eingebettet in und ausgehend von der landesweiten Initiative „NaturVerbunden Steiermark“ ist die Region Südweststeiermark mit den Bezirken Deutschlandsberg und Leibnitz eine von vier steirischen Modellregionen, die sich mit einem Biotopverbund-Management in enger Kooperation aus lokalen Nutzungsgruppen intensiv mit den regionalen Kernbiotopen sowie ihrer Vernetzung durch Korridorbiotope und Trittsteinbiotope auseinandersetzen.

Das Biotopverbund-Management wurde in der Regionalmanagement Südweststeiermark GmbH eingerichtet und dient nun als zentrale Anlaufstelle für alle Interessierten, die in ihrem Wirkungsbereich einen Beitrag zu einem funktionierenden Biotopverbund leisten möchten. Egal ob Verein, Landwirt*in, Gemeinde, Jäger*in, Privatperson oder Unternehmen.

Streuobstaktion für die gesamte Region

Streuobstwiesen gehören zum Landschaftsbild unserer Region und sind gleichzeitig besonders wertvoll für die Artenvielfalt. Die zahlreichen Blüten sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für Insekten. Durch deren Anlockung wird auch die Bestäubung von Nahrungsmittelpflanzen in der Umgebung gefördert. Die Bäume bieten Lebensraum für Tiere mit sehr speziellen Anforderungen an ihre Umgebung, zum Beispiel für den selten gewordenen Juchtenkäfer.

Durch eine naturschonende Pflege der Wiesen rund um die Obstbäume, können noch weitere Tierarten wie der Wiedehopf und zahlreiche Pflanzenarten wie die Wiesen-Flockenblume profitieren. So entsteht Baum für Baum ein naturnahes Paradies. 


Streuobstaktion ein voller Erfolg!

Streuobstbäume und -wiesen sind wichtige Elemente des Biotopverbunds und verbinden getrennte Lebensräume wieder miteinander. Durch eine Streuobstaktion konnten Bürger*innen der Bezirke Leibnitz und erstmalig auch Deutschlandsberg günstige Jungbäume erwerben, um das südweststeirische Naturerbe zu bewahren

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm?

Was haben Obstbäume mit Lebensraumvernetzung zu tun?

Wertvolle Tipps zur Obstbaumpflege

Nach der erfolgreichen Baumausgabe im November 2025 gilt es die Bäume nun fachgerecht zu pflegen, um sie möglichst lang vital zu halten. Wertvolle Tipps zur Obstbaumpflege bietet das Biotopverbund-Management im Video „Obstbäume pflegen udn damit ganz nebenbei Lebensräume vernetzen“.

Reiche Ernte und hohe Artenvielfalt

Obstbäume pflegen und damit ganz nebenbei Lebensräume vernetzen

Video-Clips zum Biotopverbund-Management in der Südweststeiermark

Auf unserem Youtube-Kanal @rm-suedweststeiermark gibt es noch mehr zum Biotopverbund in der Region zu entdecken!
Unsere Biotopverbund-Managerin Katharina stellt sich vor und wird euch in Video-Clips zeigen, was ein Biotopverbund überhaupt ist und warum er wichtig für die Südweststeiermark ist.

Informationsveranstaltung für Betriebe und Unternehmen

Programm

– Keynote „Der Biotopverbund Südweststeiermark und was wir dafür tun können“ 

– Fachvortrag „Praktische Möglichkeiten für Maßnahmen auf kleinen Flächen, die den Biotopverbund stärken“ 

– Fachvortrag „Maßnahmen zum Biotopverbund – Erhöhung der Artenvielfalt und der Wertschöpfung“ 

– Erfahrungsbericht der Naturgärtnerei Grüne Werkstatt &  Sparkasse Steiermark 

– Flächenbegehung bei TCM Tools 

Mehrwert für regionale Betriebe durch nachhaltige Maßnahmen im Biotopverbund

Ausgehend von der Landesinitiative NaturVerbunden Steiermark wurde in einer Informationsveranstaltung der Biotopverbund-Modellregion Südweststeiermark erstmalig aufgezeigt, welche Vorteile Betriebe und Unternehmen durch die Umsetzung von lebensraumvernetzenden Maßnahmen in ihrem Umfeld gewinnen. Mit einer bunten Mischung aus Fachvorträgen, Erfahrungsberichten, einer Flächenbegehung und Gelegenheiten zum Networking war ein abwechslungsreicher Austausch garantiert.

Aktuelle Projekte

Aktuelle Naturpark Südsteiermark-Projekte
Die Projekte des Naturparks Südsteiermark dienen dem Schutz der südsteirischen Natur- und Kulturlandschaft mitsamt ihrer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt.
Das Projekt „Regionale Wildgehölzvermehrung“ setzt sich für den Erhalt der etwa 170 in der Südsteiermark vorkommenden Heckenpflanzenarten sowie für das Anlegen von Feldrainen und Feldhecken zwischen Ackerflächen ein, um möglichst vielen Wildtierarten Futter und einen Lebensraum bieten zu können.
Auch die „Biodiversitäts- und Artenschutzoffensive im Naturpark Südsteiermark“ nimmt sich konkreter Maßnahmen an, um dem Aussterben von Arten entgegenzuwirken. Zu den in der Südsteiermark gefährdeten Arten zählen unter anderem der Nördliche Weißbrustigel, die Zwergfledermaus sowie der Stieglitz.

    Aktuelles, Termine und Aktivitäten

    Neue Leitung im Naturpark Südsteiermark 1151 768 Regionalmanagement Südweststeiermark

    Neue Leitung im Naturpark Südsteiermark

    Kilian Cresnik stellt sich vor Mit Beginn dieses Jahres habe ich die Leitung des Naturpark Südsteiermark übernommen. Diese Aufgabe verstehe ich nicht nur als organisatorische Verantwortung, sondern als strategischen Gestaltungsauftrag für einen der prägendsten Landschaftsräume unseres Landes. Die Südsteiermark bedeutet für mich eine einzigartige Verbindung aus Natur, Kulturlandschaft und regionaler Identität, die nur durch das…

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    Einladung zum Fachvortrag: Trockensteinmauer im Biotopverbund 685 369 Regionalmanagement Südweststeiermark

    Einladung zum Fachvortrag: Trockensteinmauer im Biotopverbund

    Einladung zum Fachvortrag: Trockensteinmauer im Biotopverbund In einem Bildvortrag erläutert Rainer Vogler von der WBS Krems Ökologie, Nutzen und die Geschichte von Trockensteinmauern in und um Weingärten. Datum: 25. März 2026 Uhrzeit: 18:00 – 20:00 Uhr Ort: Mehrzwecksaal der LFS Silberberg (Silberberg 1, 8430 Leibnitz) Referent: Rainer Vogler Anmeldungen unter: office@naturpark-suedsteiermark.at Anmeldeschluss: 18. März 2026 Die Teilnahme ist kostenlos!…

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    Erfolgreiches Projekt geht zu Ende 640 480 Regionalmanagement Südweststeiermark

    Erfolgreiches Projekt geht zu Ende

    Das Projekt „Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme in Naturparken Österreichs“, das sich in insgesamt fünf Naturparken in ganz Österreich dem Kampf gegen invasive Neophyten verschrieben hat, endet dieses Jahr.  Ein Projekt für den Erhalt wertvoller Lebensräume Auch im Naturpark Südsteiermark wurden an insgesamt drei Standorten regelmäßig Staudenknöterich, Springkraut und Co. bekämpft. Ziel war es durch gezielte Mahdeinsätze…

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    Zukunftsraum | Klima und Umwelt | Lebenswelten

    Unsere
    Region

    Die Südweststeiermark ist aufgrund ihrer unverwechselbaren Natur- und Kulturlandschaft nicht nur ein begehrtes Urlaubs- und Erholungsziel, sondern auch ein beliebter Wohn- und Wirtschaftsstandort.

    Unsere
    Geschäftsfelder

    Unsere regionalen Entwicklungsstrategien umfassen eine Vielzahl von Themen, die in alle Bereiche des Lebens fallen: von der zukunftsfähigen Infrastruktur über Digitalisierung bis hin zu klimafreundlichen Mobilitäts- und innovativen Bildungsangeboten.

    Service &
    Förderungen

    Erfahren Sie mehr über unsere vielfältigen Förderprogramme: Von LEADER, einer Initiative der Europäischen Union zur Förderung innovativer Modelle und Projekte, bis hin zur Förderung der Jugend in der Region Südweststeiermark.